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Meine zweite Scooby-Reise
25. - 30. Mai 2011:
Arbeitseinsatz der Freunde Hartmut und Karl bei Scooby in Medina
Meine erste Scooby-Reise unternahm ich 2009 mit dem eigenen Auto und war 22 Stunden unterwegs. Dieses Mal bevorzugte ich das Flugzeug, weil die Reisezeit doch erheblich kürzer ist und zudem noch wesentlich billiger!! Nach rund 2-stündiger Flugzeit waren wir schon in Madrid.

Juhui, Hartmut kommt :-))!
Somit stand für den eigentlichen Zweck der Reise mehr
Zeit zur Verfügung und das in merklich ausgeruhterem Zustand. Begleitet hat
mich Tierarzt Karl S., mit dem ich befreundet bin. Er kennt Scooby seit der
Gründung und hat dort schon sehr häufig gearbeitet. Unser Ziel war auch
diesmal wieder, bei Scooby im Medical-Center zu arbeiten. Karl war für die
med. Versorgung der Hunde zuständig, ich zur Kontrolle der vorhandenen med.-
techn. Gerätschaften.
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Meine Erfahrungen und Eindrücke möchte ich deutlich zum Ausdruck bringen, sowohl die positiven, als auch die negativen. Temperaturen von bis zu 36°C machten die Arbeit nicht leichter und die Regulierung des eigenen Flüssigkeitshaushaltes war sehr wichtig. Sehr erfreulich ist, dass dank grosser Spendenbereitschaft reichlich Material zur med. Versorgung zur Verfügung steht, angefangen von Naht- und Verbandsmaterial über chirurg. Instrumentarium bis hin zu med.-techn. Geräten. Es gibt Mikroskope, Zentrifugen zur Blutuntersuchung, Spritzenpumpen, EKG-Monitore, Sterilisatoren und Narkosegeräte. All diese Geräte sind in bester Absicht nach Scooby transportiert wurden. Aber ich musste auch feststellen, dass viele Geräte entweder gar nicht mehr funktionieren, oder nie funktioniert haben. Auch ist für viel alte Geräte keine Betriebsanleitung vorhanden, so dass kaum jemand in der Lage ist, ein Gerät in Betrieb zu nehmen. Von den 3 Sterilisatoren für chirurg. Instrumente funktionierten 2 leider gar nicht mehr! Das dritte Gerät arbeitete nur sehr eingeschränkt, weil ein Ventil defekt und der Timer ausser Betrieb war. So bleibt für die Tierärzte nur ein einziger, funktionierender Sterilisator, der im Lagerraum gegenüber den beiden OP-Räumen steht. Das ist viel zu wenig für die vielen zu sterilisierenden Instrumente. Entsetzt war ich darüber, dass Teile von einem sehr gut funktionierenden mobilen Narkosegerät gewaltsam entfernt worden waren und dieses Gerät somit unbrauchbar geworden war. Die entfernten Teile wurden an ein anderes Narkosegerät angeschweisst, wodurch ein „Mix-Gerät“ zwei verschiedener Hersteller entstanden ist !! Ich bin sehr froh, dass es mir gelungen ist, aus dem defekten Gerät und einem weiteren Narkosegerät des gleichen Herstellers ein funktionsfähiges, mobiles Narkosegerät zu bauen. Das hat mich sehr viel Zeit und Schweiss gekostet. Aber das war es wert, weil der Tierarzt von Scooby jetzt sehr glücklich ist mit diesem Gerät. Falls jemand solche med.-techn. Geräte für Scooby besorgen kann: Bitte versucht, wenn möglich, eine Bedienungsanleitung der entsprechenden Hersteller zu organisieren. Viele Hersteller sind dazu bereit.
Ein ausgesprochen tolles Erlebnis war die Hundeschule, die an den Samstagen stattfindet. Viele jüngere Menschen aus Medina kommen, um vor allem mit den Mischlingen zu trainieren. Das erleichtert die Vermittlung, fördert den richtigen Umgang mit Hunden und ist für die Hunde eine willkommene Abwechslung. Ich fand dies eine interessante Entwicklung und ein Erfolg im Verständnis für das Tier, denn es wird sowohl Praxis als auch Theorie unterrichtet. Für spanische Verhältnisse ist das ein enormer Fortschritt und den Initiatoren von Scooby gehört dafür ein ganz besonderer Preis verliehen. Nur durch solches Umdenken kann eine nachhaltige Verbesserung im Umgang mit Hunden erreicht werden.
Diese Nachhaltigkeit müsste sich auch endlich auf dem Gebiet der unkontrollierten Katzen- und Hundevermehrung durchsetzen. Die irrsinnige Flut an „Nachschub“ ist das grösste Problem und für sehr viele Tierschützer einfach frustrierend. So musste ich "life“ miterleben, dass eine Familie am Eingangstor eine hochträchtige Galga abgab. Sobald eine Hündin trächtig ist, wird sie für die Besitzer unbequem und der Hund wird, statt Vorsorge zu treffen, abgegeben. Aber wenigstens wurde diese Galga nicht ausgesetzt oder gar getötet. Also auch hier ein Fortschritt! Es darf nur nicht vergessen werden, dass mit dieser Galga nicht 1 Hund aufgenommen wurde, sondern dass es von dieser Galga bald viele Welpen geben wird, die alle einen Platz brauchen.

Bei aufmerksamen Besuchen der Innenstadt von Medina konnte ich auch sehen und erleben, wie Galgos in engen Hinterhöfen gehalten werden. Andere Hunderassen müssen, angebunden in dunklen Garagen und selten das Tageslicht sehend, dahin vegetieren. Hier fehlt es noch sehr an Fortschrittlichkeit !

Bewegend waren meine Besuche in den einzelnen Paddocks. Dutzende heimatloser Galgos - einer schöner als der andere - und bei den Mixen genau das gleiche Problem. Sehr viele Hunde kamen freudig auf mich zu, glücklich darüber, gestreichelt und beschmust zu werden.
Soviel Augen die flehend bitten: Nimm mich mit, hol mich hier heraus! Eine Auswahl zu treffen, zerreisst einem das Herz! Und gar keinen Hund nehmen zu können, löst unendliche Traurigkeit aus!.

Aber es gibt auch unendlich viele, extrem scheue Hunde, die in Panik vor Menschen flüchten. Diese Hunde sind noch viel bedauernswerter. Es lässt sich nur sehr schwer erahnen, welche Schicksale und Erlebnisse sie hinter sich haben müssen. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass ein solch traumatisiertes Tier kaum vermittelbar ist.

Es gab aber auch zwei Erlebnisse im Zusammenhang mit Hunden, die schlichtweg unglaublich erscheinen. Während Karl operierte und ich die Narkose steuerte, kam ein Pudel-Terrier-Mix in den Raum und forderte uns während unserer Arbeit auf, mit ihm zu spielen, seinen Tennisball uns vor die Füsse werfend !! Erst als wir den Ball mit dem Fuss in Richtung Türe kickten, war dieser Wuschel zufrieden, d.h. er kam natürlich sofort wieder, um weiterzumachen !!!
Der zweite Hundebesuch während laufender Operation war eine sehr zierliche und extrem freundliche Staffordshire-Terrier-Hündin. Sie begrüsste uns freudig und, nachdem wir sie verbal begrüsst hatten, wollte sie von uns gestreichelt werden. Als sie merkte, dass wir keine Zeit für sie hatten, legte sie sich unter den OP-Tisch und schlief friedlich grunzend so lange, bis wir fertig waren !!
Erwähnen möchte ich noch den sehr freundlichen Umgangston der Angestellten und der freiwilligen Helfer in Scooby. Es trafen x-verschiedene Nationalitäten aufeinander und wir verständigten uns meist in 3 Sprachen, was natürlich sehr lustig war. Nach einem sehr langen, heissen Arbeitstag trafen wir uns alle, müde zwar, in Medina zum gemeinsamen Essen. Dieser natürliche und lustige Abend wird mir in Erinnerung bleiben und ist beispielhaft, wie einfach es sein könnte, eine internationale Gemeinschaft zu bilden.
Schon vor meinen Scooby-Reisen wurde ich immer wieder gefragt, warum ich mir denn das „antun“ würde und Urlaubstage dafür hergebe. Meine Antwort war und ist immer die Gleiche. Nur wer die Situation vor Ort kennen gelernt hat, diese verstehen kann und das eigene Hintergrundwissen stetig erweitert, kann glaubhaft über den Tierschutz im Ausland berichten und fundierte Informationen weitergeben. Welche Vor-Ort-Hilfe erforderlich ist, kann nur durch solche Aktionen erkannt werden.

Eines steht für mich mit Sicherheit fest: Es war nicht mein letzter Besuch bei Scooby!

02.06.2011
Hartmut Benzing
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Vielleicht haben diese beiden ja das Glück und werden adoptiert. |